Hüftoperation – Austausch Knochen gegen Titan-Prothesen 2007

Hey,

wie schon in „Über mich“ kurz angerissen, haben meine Hüften relativ kurzfristig nach der Diagnose den Geist aufgegeben und machten mir die menschliche Bewegungsfunktion Laufen/Gehen/Springen sehr schwer. Angekündigt wurde mir das schon einige Zeit vor den Operationen, dass dies auf mich zukommen wird. Wenn nun aber der Tag der Entscheidung gekommen ist, ist es trotz der Schmerzen eine Endgültigkeit die es zu verarbeiten brauch. Daher hat mich das zu dem Zeitpunkt ziemlich getroffen, obwohl ich kaum noch laufen konnte. Jede Bewegung machte mir das Leben schwer und ich wollte nichts mehr machen und eigentlich nur noch unter Tränen schleichend am Ziel ankommen. Neben der körperlichen Tatsache haben mir auch Familienmitglieder diesen Schritt zu dem Zeitpunkt nicht leichtgemacht, aus der gleichen Sorge (die Endgültigkeit dieser Entscheidung), die mich selber natürlich auch plagte. Allerdings ist das das Letzte was man in diesem Moment braucht, jemandem der einen Vorwürfe macht und meint man muss das alles absagen. Die Zeit war sehr emotional, nichts desto trotz, hatte man dennoch genauso tolle Menschen um sich, die mit jeder Hilfe zur Verfügung standen. Damit ich den Termin eben doch wahrnehmen, und einen Schritt an ein schmerzfreieres Leben erhaschen, konnte.

Somit kam der Mai 2007, wo ich in Sendenhorst meine erste Hüfte bekam. Man erinnert sich nicht mehr an viele Einzelheiten, das ist das Schöne, das Gehirn schiebt es irgendwann so weit weg, dass man auch den damaligen Schmerz  vergisst. Klar erinnere ich mich noch daran, dass es furchtbar war, aber man kann es einfach nicht mehr genau beschreiben. Mit jedem Auftreten war es auch unterschiedlich schlimm. Manchmal gab es ein richtiges Reißen und man zuckte in sich zusammen. Ich konnte im Auto nicht mehr hinten sitzen, da ich den Druck auf den Gelenken nicht halten konnte, wenn ich aus einem Dreisitzer aussteigen sollte. Das konnte niemand wirklich nachvollziehen. Ich vermute, dass meine Freunde oft dachten oder aber auch noch denken, die stellt sich an. Völlig normal, wenn man selber einen Schmerz nicht kennt, meint man immer Augen zu und durch. Aber wenn man diesen Schmerz täglich hat, wird das ganze Leben zu einem Augen zu und durch und der Körper immer schwächer und kraftloser. Wir Rheumatiker reden leider oft nicht von einer Woche Gliederschmerzen, wie bei einer Grippe, sondern das Maß haben wir regelmäßig immer mal wieder und können/wollen dann nicht einfach immer Wochen ausfallen. Somit geht man anders an den Schmerz ran, weil man nie weiß wie lange bleibt er?! Auf der anderen Seite, empfinden wir dann schmerzfreie Perioden umso intensiver. Dann wollen wir wie ein unausgelasteter Hund beschäftigt werden, in meinem Kopf fühle ich mich dann immer als würde ich schwanzwedelnd auf den Ball warten, der mir geworfen wird. Auch damit können wir sicherlich manchmal nerven, aber dass muss man uns verzeihen. 🙂 Wir wollen einfach den Augenblick nicht verpassen, an dem wir dann gut was unternehmen können, haben dann Angst was zu verpassen oder haben das Gefühl was nachholen zu müssen von den schlechteren Phasen. Genauso erging es mir auch nach den Operationen.

Meine linke Hüfte war zu dem Zeitpunkt schon eingebrochen, was zu einer Verkürzung von Bändern und Sehnen geführt hatte. Die Tage nach der OP hatte ich dadurch reißende Schmerzen in den Hüften. Ging so ca. 5 Tage bis zu einer Woche, dann wurde es immer besser. Ich erinnere mich noch an eine Schülerin, die mir beim reinschieben in den OP Vorbereitungsraum erzählte das sei nun ihre erste Operation wo sie bei zuschauen würde. Ich fragte sie noch ob sie sich sicher sei, dass man mit dieser OP anfangen wolle und meine letzten Worte an den Arzt waren: „wenn sie umkippt, vergesst mich nicht, es geht auf dem Tisch um mich.“ – ich bin sooo selbstlos manchmal…

😀 – Gelächter – Dunkelheit.

Als ich wieder aufwachte, hatte mein Bruder schon Kerben in den Aufwachraum gelaufen und begrüßte mich freudig. Übrigens, die Schülerin hatte die Begutachtung frühzeitig abgebrochen. Scheinbar erzeugt das Sägen von Knochen einen unangenehmen Geruch und ist als erste Zuschau-Operation nicht sonderlich gut geeignet. Wer hats gesagt?! 🙂 Nur mal so als kleiner Tipp am Rande für angehendes medizinisches Personal. Hier soll ja keiner leer ausgehen.

Daraufhin folgten nun 6 Wochen Teilbelastung, Training, Kur, Langeweile… ^^

Und das Schöne, drei Monate später noch einmal die gleiche Prozedur für die andere Seite. Die Zweite war aber gegen die Erste ein Katzensprung. Mein Bein danach tat nicht weh, im Aufwachraum ging es mir schnell gut (musste es auch, schließlich war diesmal eine Freundin die Krankenschwester ist dabei, die ich genauestens beobachten musste, dass die nicht an meinen Geräten rumspielt) und auf die 6 Wochen war ich auch schon eingestellt. Machte es nicht weniger lang, aber es ist immer schön, wenn man erst mit Angst und Bedenken durch eine erste Erfahrung in die OP reingeht und positiv überrascht aufwacht. Diesmal hatte ich auch daran gedacht, den Arzt zu bitten mir meine Hüfte im Glas zu archivieren. Man darf das Gelenk zwar nicht mitnehmen, aber so konnte ich mir das Desaster wenigstens mal neugierig anschauen. 🙂 Die rechte Hüfte war nicht gebrochen, aber selbst als Laie konnte man sehen, dass sie verbraucht aussah und durchaus der Grund für die Schmerzen sein konnte.

Das Ganze ist nun 10 Jahre her, mittlerweile gibt man den Hüften schon 20-30 Jahre, wenn ich mich richtig an die Aussagen erinnere. Wobei ich mich oft frage, in welchem Alter werden die im Schnitt eingesetzt und müssen die dann noch so lange belastet werden. Wie alt waren die Patienten dieser Studie?! Daher hoffe ich einfach, dass ich bis zu der nächsten noch lange Zeit habe. 6 Wochen aus dem normalen Alltag ist immer eine unangenehme Sache, Zeit zum Grübeln und Nachdenken, etc.

Man soll ja immer im Augenblick leben und nicht über was ist dann/was wäre wenn nachdenken, aber das ist nicht immer einfach. So oft denke ich, wenn ich weiter so viel Cortison nehme, wie lange bleibt mir noch. Und es sind ja nicht nur die Hüften, die irgendwann renoviert werden müssen. Die Originalteile sind ja ebenfalls stark belastet. Irgendwann werden die Knie schmerzender werden. Nach den Röntgenbildern zu urteilen werde ich sogar immer gefragt ob ich noch schmerzfrei lange spazieren gehen kann. Aber das kann ich und solange das noch geht und ich immer noch jedes Wochenende „Gassi“ geführt werden will und Urlaube liebe, bei denen ich den ganzen Tag unterwegs bin um die Welt zu erkunden, werden die anderen Gelenke nicht geöffnet. 😉

ABER wenn man nur noch unter Schmerzen lebt, sind neue Gelenke wirklich ein Geschenk und ich bin froh, dass die Medizin schon soweit ist und mir das ermöglichen konnte. Vermutlich säße ich sonst schon lange im Rollstuhl. Nachdem die Rehazeit in dem Jahr dann abgeschlossen war, fühlte ich mich voller neuen Mutes. Genau diesen Mut verliert man immer mal wieder, findet ihn wieder, verliert ihn wieder, ihr könnt euch den Rest denken…

Gut, die neuen Hüften waren damit nun da, sicherlich auch einige Einschränkungen, aber jetzt würde man das Rheuma in den Griff bekommen, damit dieser Status auch lange so bleibt und keine anderen Gelenke schlechter werden. Ich muss dazu auch sagen, dass sich die Einschränkungen je nach Person in Grenzen halten; ich habe viele Menschen getroffen, die danach ihren Hobbys wieder nachgingen. Man sollte nur solche Hobbys laut vorsichtigen Rheumatologen nicht mehr neu anfangen, bspw. skifahren, motorradfahren oder aber auch laufen. Viele joggen noch mit künstlichen Gelenken, dass würde ich nun allerdings nicht machen, da es sogar für gesunde Gelenke schon nicht gut sein soll, da würde ich meine Knie erst gar nicht wagen zu fragen. Ich kenne die Antwort. 😛

Ich habe aber direkt nach den Operationen zu Hause mit Fitnessstudio begonnen um wieder Kraft aufzubauen und beizubehalten. Einige Zeit lang habe ich evtl. auch übertrieben, da war ich 4-5 Mal die Woche da und das ca. 4 Stunden lang. Mein Ausdauertraining machte ich immer mit einem Buch auf dem Sitzfahrrad, dort konnte man schon so 2 Stunden aushalten. Nachdem ich häufiger rausgekehrt werden musste, wurde mir zum Höhepunkt auch noch ein Bett angeboten, ich solle doch direkt dort schlafen. 🙂 Habe kurzfristig drüber nachgedacht, weil ich wirklich nur noch zum schlafen zu Hause war, habe es dann aber doch verworfen. 😉 Leider wurde dann dieses Fitnessstudio geschlossen und im Nachfolger habe ich mich nicht wohlgefühlt. Seit dem habe ich dann mein Ergometer zu Hause genutzt, aber nicht mehr in dem Maße.

Man muss manchmal in seinen Hobbys etwas flexibel sein, ob krank oder anders eingeschränkt, aber man findet sicherlich immer wieder Alternativen, die einem Freude und Mut machen. Dazu aber später noch mal mehr… Hier wollte ich euch teilhaben lassen, welch ein Gefühlschaos entstehen kann und es geht sicherlich vielen so?! Diagnosen, immer neue Erkenntnisse, die man verarbeiten muss. Reaktionen anderer darauf, mit denen man einfach teilweise nicht rechnet und die einen völlig überrumpeln. Dennoch hat man keine Wahl und muss gewisse Schritte gehen um zu erleben, wie schön es danach wieder sein kann. Ganz egal was andere sagen oder denken, schließlich muss man selber sein Leben leben, dass nehmen die „Urteilenden“ einem ja auch nicht ab. Man muss seine eigenen Entscheidungen treffen und verantworten. Das ist manchmal leichter und manchmal schwerer, aber geschafft hat es noch jeder der wollte, richtig? 🙂

Schönen Abend euch und Grußerle
Desi

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