Rheuma – Reaktionen der unterschiedlichen menschlichen Charaktere

Moin ihr Lieben,

hier einmal ein Thema, dass mich oft sehr verärgert, man es aber nicht verhindern kann. Jeder Mensch ist ja angeblich anders, bedeutet bei einer Weltbevölkerung von 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde haben wir verdammt unterschiedliche Möglichkeiten von Reaktionen zu erwarten. 🙂 Jeder kennt das und jeder macht das, unsere Blicke sprechen manchmal mehr als Worte. Jemand humpelt und ohne es bewusst wahr zu nehmen, schauen wir und fragen uns was derjenige wohl gemacht hat?! Je nachdem, worüber wir vermutlich gerade vorher nachgedacht haben, kann der Blick alleine schon jemanden verletzen, ohne dass wir das wollen. Dabei gibt es Extremfälle, die alles auf sich beziehen, diejenigen, die nur negative Blicke bemerken und diejenigen, die einfach strahlend zurücklächeln und sich einreden, der denkt sicherlich nicht das wonach es aussieht. 🙂
Ich versuche Letzteres zu sein, habe leider aber auch schon anderes erlebt. Zu Mal eine ganz wichtige Rolle auch die eigene Situation ist. Wenn man selber einen schlechten Tag hat und man sich selber quält (nicht unbedingt körperlich) dann kann man auch nicht immer lächeln und reagiert anders als gewünscht. Leider gibt es auch Menschen, die verletztende Worte, bewusst aussprechen:

So z.B. nach einem Fest, ich quälte mich langsam humpelnd an Jugendlichen vorbei, die damals so Anfang 20 gewesen sein mussten. Sie schauten mir in Zeitlupe zu, wie ich an ihnen vorbei ging und riefen meinem Kumpel, der langsam neben mir ging, zu er solle seiner Freundin mal das richtige Laufen beibringen?! -> Nun versucht mal einen, ein Kopf größeren Typen, unter Schmerzen sicherlich 5x so stark wie ich, davon abzuhalten eine Schlägerei zu beginnen?! 😉 Mein Wille war stark und er vernünftig. Ist auch sehr gut so, denn leider kennt das Gesetz sowas wie Freispruch aufgrund von Selbstjustiz nicht und die waren auch noch in der Mehrheit. Solche Erlebnisse hat man. Sie bedeuten nichts und schmerzen nur in dem Augenblick, (weil es einem eh schlecht geht und vor den Freunden unangenehm ist) aber vergehen schnell.
Verletzender sind die Worte, die hinter einem fallen und die man dann durch Zufall mitbekommt. Meist darauf bezogen, dass man sich anstellt und der Schmerz ja so schlimm gar nicht sein kann. Wie oft habe ich mir schon gewünscht, dass diejenigen das einmal für einen Monat mitmachen. Der Zeitraum sollte nicht zu lang sein, aber auch nicht zu kurz, sodass man einfach vom Alltag pausieren kann. NEIN, man soll damit arbeiten, einkaufen, putzen und das Leben bewältigen müssen, damit man einfach die Einschränkung versteht. Dann dürfen sie urteilen. So habe ich es mir auch damals für meine Lehrer gewünscht, die Sprüche über meine Situation brachten und damit als Pädagogen vermutlich auch noch meine Mitschüler zu dem beeinflussten was dort alles abging. Vermutlich war ich dann irgendwann einfach nur noch die Humpelnde die irgendwann weg war. Wenn ich heute noch manchmal welche aus der Schule treffe, ist die Frage immer; Mensch, was wurde denn damals aus deinem Knie. Mehr haben die Leute gar nicht mehr mitbekommen, sofern es nicht nähere Freunde waren. Da ich aber ja 1,5 Jahre vorher sitzen geblieben war, waren das auch nicht so viele in der Klasse und die Vorgänger sahen einen eh nicht mehr so oft, da ich mich dort schon zurück zog und nicht oft draussen bei den anderen war.

Man selber tendiert ebenfalls dazu, zu voreilig über andere Erkrankte zu urteilen und ich muss mich dann auch immer wieder zurechtrücken. Denn jeder nimmt den Rheumaschmerz auch noch einmal anders wahr. Ich kann froh sein, dass ich viele Dinge relativ leicht wahrnehme, weil es immer wieder schöne Gedanken gibt, Zukunftspläne, etc. die einen aufrechterhalten und den Schmerz lindern. Ich verstehe auch, dass es manchmal schwer zu verstehen ist, dass es einem an dem einen Tag gut geht und am nächsten Morgen man sich kaum bewegen kann. Ich würde es selber nicht glauben, wenn ich es nicht immer wieder erleben würde.

Ungern gesehen sind die Menschen, zu der Art ich sogar auch mal geneigt haben könnte, die immer sagen jede Krankheit fängt im Kopf an. Kommt wohl von einigen Familienmitgliedern, die an meiner Erziehung mitgewirkt haben und bei denen auch immer noch was homöopathisches wirkt und dennoch immer ganz unterschiedlich krank sind. Diese Menschen neigen auch, wenn sie einen nicht so eng kennen, sehr arrogant zu wirken. Sie zeigen einem richtig; selber schuld. Hören dir zu, aber du merkst es kommt nicht an. Denn schließlich hat jeder seine eigenen Probleme. Nun, wegen solchen Menschen suche ich nun wirklich schon sehr lange nach dem Grund, der in meinem Kopf die Krankheit ausgelöst hat. Und ja, ich finde ein paar Punkte, die ausschlaggebend sein könnten, aber warum haben dann schon kleine Babys Rheuma?!
Ein Punkt ist, als ich damals im Solarium gearbeitet habe, wurde ich parallel zu Beginn meiner Erkrankung von meinem Chef einmalig sexuell belästigt. Im Nachhinein hätte ich damals gerne anders reagiert. Da ich Polizistin werden wollte und dort Praktikum gemacht hatte, habe ich auch daran gedacht ihn anzuzeigen. Ich hatte die Situation beschrieben und meinen damaligen Praktikumsbetreuer auch als Unterstützung auf meiner Seite. Ich habe es dann aber, trotz Drängen dieses Polizisten, nicht durchgezogen. Erstens war es nur dieses eine Mal und danach habe ich dafür gesorgt, dass ich niemals mehr mit ihm alleine war und dazu war er Vater von zwei Kindern und hatte eine „glückliche“ Ehe. Naja, mehr Ausrede als anderes, denn wie glücklich kann eine Ehe sein, wenn der Mann sich an jungen Mädels vergehen will. Jedem Anderen würde ich natürlich raten direkt eine Anzeige zu machen, vielleicht war es nur bei dir so „harmlos“ und jede Andere muss nachher unter deiner Feigheit leiden, aber ich konnte mich dem damals nicht stellen.
Ich habe den Job einfach gekündigt und alles was noch zu regeln war immer in Begleitung erledigt. Aus Sicherheitsgründen hatte ich es meinem Partner erst nicht erzählt, wobei ich hier sagen muss, dass ist definitiv keine Lösung. So brutal er auch reagieren mag. 😉 Harmlose Belästigung, wie ich es eben nannte, spielte sich wie folgt ab: hinter einem der drei Solarien war der Abstellraum für die Putzsachen. Dieser war offen und ich stand, als mein Chef zu Besuch kam, hinten im Raum. Er erzählte, wie es so läuft und dass das Solarium davor gerade mit neuen Röhren ausgestattet wurde. Ich stand am Türrahmen und er nah vor mir. Er hob seine Hand und strich mir mit seinem Zeigefinger zwischen der Brust lang. Berührte also nicht genau die Brust über dem T-Shirt. Dann nahm er mit beiden Händen meine Hüfte und zog mich an sich ran mit den Worten ob wir nicht das neue Solarium testen wollen. Meine RETTUNG war in diesem Augenblick die Kundschaft.
Ich zog mich weg von ihm und in dem Moment kam eine Kundin in das Geschäft. Was das Beste daran war, es war auch noch eine Schulkollegin von mir. Ich musste dann leider weg und diese ausgiebig beraten. Ich weiß nicht ob in diesem Moment sein Verstand wieder einsetzte oder er Angst hatte ich würde ihr Zeichen geben, er verabschiedete sich dann relativ schnell. Ich glaube bis heute das mehr nicht passiert wäre, aber so „angenehm“ wäre ich vermutlich nicht aus der Sache raus gekommen, wenn sie nicht erschienen wäre.
Aber genauso, wie ich dem Psychologen nicht glaube dass das gestörte Verhältnis (heute gar kein Verhältnis mehr) zu meinem Vater der Grund sein kann, glaube ich auch, dass es das nicht sein kann. Klar, alles prägt, aber nicht in dem Format aus solchen Gründen, die leider zum Leben mehrerer Personen dazu gehört. Da gibts durchaus schlimmeres als das.

Dann gibt es noch die Menschen, die einem immer raten, dass kann doch nicht die Lösung sein, es muss doch was geben was das heilt oder vernünftig wirkt. Geh doch noch mal zu einem neuen Arzt und lass dich völlig neu auseinander nehmen?! UND wisst ihr was, der Mensch bin auch ich. Nur leider stehe ich nun auch auf der anderen Seite und versuche immer wieder Menschen klar zu machen, dass das nun wirklich nichts mehr bringt. Rheuma ist auf der ganzen Welt und in jedem Krankenhaus die gleiche Krankheit und es gibt so viele Kongresse an denen sich Ärzte besprechen, dass ich kein Wunder in einer anderen Klinik erwarte. Zum mindestens jetzt nicht mehr. Man muss dazu sagen, dass ich wirklich mehrere Krankenhäuser durch habe und auch viele Rheumatologen, aber irgendwann will man einfach nur noch genießen nicht immer wieder alles neu erzählen zu müssen und ich fühle mich auch wirklich gut aufgehoben mittlerweile, was das Wichtigste für den Patienten ist. Irgendwann will man wirklich nicht mehr von vorne erzählen. Ohne mein Word-Dokument würde ich schon die ganzen Sachen nicht mehr zusammen bekommen. Manchmal weiß ich nicht mehr ob es mit dem rechten oder linken Knie und dem gegenüberliegendem Ellenbogen begonnen hat. Und aus solchen Gründen habe ich mir, obwohl genug Platz vorhanden war, auch noch die Weisheitszähne rausnehmen lassen. Weil irgendwem der Rheuma hatte die mal raus genommen wurden und der dann geheilt war. Irgendwann sollte ich das auch noch mit meinen Mandeln machen. Aber ganz ehrlich, was soll ich mir alles entnehmen lassen, damit dann die Gelenke nicht mehr weh tun?! Zu viele Meinungen und Ärzte machen die Situation nicht immer bessser. Zumal einen dann irgendwann ein Arzt auch kennt und schon weiß auf was man wenigstens etwas reagiert hat. Also liebe Angehörige, bitte meidet diese guten Ratschläge. Einmal ist ok, zweimal um sicher zu gehen, aber nicht auf jedem Familienfest. Nicht immer diese Tipps, was ihr mal wieder in der Apothekenumschau gelesen habt, glaubt uns einfach, dass wir sämtliche Googleabfragen schon selber getätigt haben, denn uns macht diese Krankheit auch keine Freude und wir fallen immer mal wieder in diese Situation zurück und fangen wieder an zu suchen. Irgendwann muss doch mal jemand für uns eine Lösung finden. Ich habe schon Sachen gefunden, die haben die Ärzte nicht mal entdeckt und doch gab es Studien dazu. Meistens bespreche ich diese dann mit den Ärzten, sie können meist mehr dazu sagen, bzw. besser abschätzen ob es lohnt da Hoffnung rein zu stecken. Dabei habe ich auch erfahren, dass man Kandidaten wie mich nicht mal mehr für Forschungen gerne haben mag. Wenn zu viele Medikamente (ca. mehr als drei) bei einem nicht angeschlagen haben, meiden die einen auch, weil sie ja wollen, dass das Medikament zugelassen wird. Da bin ich wohl auch eine ganz schlechte Quote für. Auch für Tipps sind wir eigentlich dankbar, nicht falsch verstehen, wenn sie nicht das Typische beinhalten, bzw. ihr konkrete Kontakte für uns habt, mit denen wir sprechen können. 😉

Und nicht: Ingrid, 51 Jahre aus Potsdam ist nun nach vielen Jahren durch das Pulver wieder schmerzfrei. 🙂 Ihr wisst was ich meine…

Klar, gibt es noch endlos mehr Kandidaten in der Show des Lebens, aber die aus krankensicht Wichtigsten habe ich glaube ich kurz anhand meiner Erfahrungen angerissen. Fehlt noch wer? Soll ich noch einen Charakter näher beschreiben? Dann nennt mir ein Stichwort und ich werde es erweitern. 😉 Ich wäre manchmal gerne selber eine Psychologin geworden. Leute analysieren kann so schön sein, aber auch ärgerlich oder unverträglich, wenn man sie einfach so gar nicht verstehen kann. Man muss dann manchmal seine Grundeinstellung verwerfen oder ausblenden können. Großen Respekt an alle die das so können, ich arbeite noch dran.

Somit, ärgert euch nicht über solche Menschen oder versucht es auch selber nicht zu sein. Damit tut ihr eurer Umgebung einen großen Gefallen.

Grußerle
Desi

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